Kleiner Nachklapp zum Landtagswahlergebnis

Von | 17. Mai 2012

Keiner allzu guten Tradition folgend wird auch nach der gewesenen Landtagswahl vom 6. Mai das Wahlergebnis vorwiegend in Prozent gehandelt. Damit wird leider – gewollt oder ungewollt – verschleiert und schlimmstenfalls ignoriert, dass immer weniger Menschen wählen gehen. Im FLECKENKIEKER wollen wir im folgenden einen Blick auf die absoluten Zahlen werfen, wie sie im vorläufigen amtlichen Wahlergebnis für 2012 vom Statistischen Landesamt veröffentlicht wurden.

Denn 2012 haben gegenüber der auch nicht gerade gut besuchten Landtagswahl 2009 noch einmal absolut 280.000 Wahlberechtigte weniger mitgewählt. Gefühlt sogar noch weniger, weil dieses Mal 16.048 Schleswig-Holsteiner mehr als beim letzten Mal wahlberechtigt waren.

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Und obwohl zum Beispiel die Grünen landesweit am 6. Mai 24.615 weniger Wähler hatten (174.752 gegenüber 199.367 in 2009) sprechen sie laut Holsteinischem Courier von ihrem besten Ergebnis, dass sie jemals in Schleswig-Holstein erzielen konnten: nämlich anteilig 13,2 Prozent gegenüber 12,4 Prozent in 2009: »Neumünster hat super grün gewählt«

Neumünster hat ganz und gar nicht »super« grün gewählt, wie ein Blick auf das vorläufige amtliche Wahlergebnis für Neumünster deutlich macht. Trotz 592 weniger Wählern (3.594 gegenüber 4.186 in 2009) legten die Neumünsteraner Grünen aber dennoch einen halben Prozentpunkt zu und kletterten anteilig von 10,8 Prozent auf 11,3 Prozent.

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Fast lächerlich wirkt daher auch das folgende Courier-Zitat: »Umgekehrt kann sich der Verlierer der Wahl, Torsten Geerdts, erhobenen Hauptes zurückziehen. Mit 38,1 Prozent der Erststimmen überragt er das Ergebnis seiner Partei gleich um 9 Prozentpunkte.«

Bei der Landtagswahl 2009 gewann Geerdts mit 14.067 der Erststimmen das Direktmandat in Neumünster und zog zum ersten Mal direkt gewählt für die CDU in den Landtag ein, 2012 unterlag er dann mit nur noch 11.762 Erststimmen der Direktkandidatin der SPD, Kirsten Eickhoff-Weber, die das Direktmandat mit 12.615 Wählerstimmen gewann; mit immerhin 280 Stimmen weniger, als 2009 ihr Vorgänger Andreas Hering als SPD-Direktkandidat erreichen konnte.

Aber das ist Wurst, solange sinkende, absolute Zahlen als Gewinne in Prozent dargestellt werden können (zur Daten-Quelle):

• 40 statt 33,8 Prozent Neumünsteraner Erststimmen in 2009 für die SPD-Kandidatin – minus 280 Stimmen sind also ein Plus von 6,2 Prozent.

• 37,3 statt 36,7 Prozent Neumünsteraner Erststimmen in 2009 für den unterlegenen CDU-Kandidaten – minus 2.305 Stimmen sind also ein Plus von 0,6 Prozent.

Wen sollte es da überhaupt scheren, wie viele Menschen noch wählen gehen?

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