Barrierefreiheit – Kunst und Kultur für Jeden zugänglich!

In diesem Jahr feierte der Kunstflecken das 20jährige Bestehen. Jazzsänger Gregory Porter, Blues-Rocker Frankie Chavez, A-Cappella-Ensemble Ommm und Viele mehr – dies war nur ein kleiner Einblick in den Veranstaltungskalender des beliebten Neumünsteraner Kulturfestivals 2018. Doch wie sieht dieser Einblick aus, wenn man nichts sieht oder anders Hilfe benötigt? Natürlich sind die Veranstaltungsorte barrierefrei zu erreichen, aber manchmal bedarf es an etwas mehr.
Dabei hilft der Verein Lichtblick – Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Neumünster e.V und bietet Unterstützung bei dem Besuch diverser Veranstaltungen. Die Abrechnung erfolgt über den Pflegrad und die zuständigen Krankenkassen.
Dabei meint Anja Huth vom Verein: „ Das Wort Selbsthilfe prägt unsere Arbeit. Dennoch versuchen wir für Hilfesuchende da zu sein. Unser Motto ist: Glück kann man teilen – Sorgen auch. So bieten wir auch Begleitungen zu Veranstaltungen an, um von den nicht ganz so leichten Alltag mit Behinderung abzulenken. http://lichtblick-neumuenster.de/
Ohne Moos nix los
Doch wo fängt Barrierefreiheit eigentlich an? Für manche Menschen schon beim Eintritt dieser Veranstaltungen. Der Kunstflecken 2018 beinhaltete Veranstaltungen, wie „Essen in Bunt“, die kostenlos waren. Außerdem gab es einige Konzerte bei denen sich der Eintrittspreis um die 5,- Euro bewegte. Aber es gab noch eine weitere Lösung: Für Menschen, die sich auch das nicht leisten können, gibt es den Service der Kulturtafel.
Kultur ist für alle da
Die KulturTafel vermittelt nicht verkaufte oder gespendete Eintrittskarten kostenfrei an Menschen mit geringem Einkommen. Wer bei der KulturTafel registriert ist , wird von ehrenamtlichen Helfern angerufen, sobald Karten aus dem jeweiligen Interessengebiet zur Verfügung stehen. Möchte der Kulturgast die angebotene Veranstaltung besuchen, wird die Eintrittskarte an der (Abend) Kasse auf seinen Namen hinterlegt. Damit der Gast den Kulturgenuss teilen kann, erhält er auf Wunsch zwei Tickets – für sich und eine Begleitung.http://kulturtafel-nms.de/

 

Kunstflecken 2018 – vom 7. – 30. September 2018

In diesem Jahr feiert das beliebte Kulturfestival in unserer schönen Stadt das 20jährige Bestehen. Grund genug für Sie mitzufeiern. http://www.kunstflecken.de/2018/148-0-Startseite.html 

Wie immer gibt es eine große Auswahl an verschiedensten Kunstangeboten. So locken die Veranstalter in diesem Jahr mit besonderen Gästen, wie u. a. dem bildenden Künstler Stefan Wischnewski (2009), das A-Cappella-Ensemble Ommm (2011), den Jazzsänger Gregory Porter (2013) und den Blues-Rocker Frankie Chavez (2015).  Junge Künstler stellen ihre Installationen im öffentlichen Raum aus und die Kooperation von „Wir wollen Neumünster“ und „Essen in Bunt“ lädt ein, die unterschiedlichen Formen gesellschaftlichen Engagements für einen Tag auszuprobieren. Filmemacher spüren der Frage nach, wie sich Leben in Neumünster gestalten lässt. Und die legendäre südafrikanische A-Cappella-Formation Ladysmith Black Mambazo erinnert daran, wie wichtig es ist, für Frieden und Gerechtigkeit in der Gesellschaft einzutreten.
Auch Sie können Teil des Kunstfleckens sein! So gibt es zwei konkrete Mitmach- und Ausprobieraktionen:
Kleine Fleckenkunst – Wir machen Zirkus!
Samstag, 8. September 2018
11.00 – 14.00 Uhr
Großflecken, Sandkasten vor Hausnr. 20
Eintritt frei, http://www.kunstflecken.de/2018/68-0-Mitmachen-und-Ausprobieren.html
Straßenmusik-Festival BaDaBoom – Musik auf der Straße
Seit Jahren für viele Neumünsteraner nicht mehr wegzudenken, gehört der erste Samstag im Kunstflecken den Bands, Chören, Perkussionsgruppen und Orchestern. BaDaBoom, das größte Straßenmusikfestival des Nordens, lässt die Innenstadt erklingen. Wer wann und wo zu hören ist, erfahren Sie unter: www.ba-da-boom.de
Samstag, 8. September 2018
11.00 – 17.00 Uhr, Innenstadt
Eintritt frei
Veranstalter: Verein für Jugendmusik
Den Veranstaltungskalender finden Sie hier: http://www.kunstflecken.de/2018/18-0-Veranstaltungen.html
Wir wünschen viel Freude beim entdecken, feiern, ausprobieren, zuhören, zusehen und staunen!

Werfen Sie hier doch einmal ein Auge drauf…

Auch wenn die Dienstleistung des Ocularisten nichts mit Okkultem zu tun hat, hat diese doch etwas Geheimnisvolles…
Es zischt und rauscht, als er das Glas über den fast 1000 Grad heißen Bunsenbrenner hält. Ein undefinierbarer Geruch steigt einem in die Nase, dennoch ist es schwer den Blick zu lösen, wenn sich das Material im Feuer verformt. Schwer vorstellbar, dass daraus gleich ein individuelles Kunstwerk entsteht. Ein Kunstwerk, das Menschen ihr ursprüngliches Aussehen wiedergibt. „So mancher hat sich hierbei schon die Finger verbrannt“, meint Uwe Greiner. Der Ocularist aus Hamburg fertigt mittlerweile seit 40 Jahren Augenprothesen an.

Zweimal im Jahr haben Patienten die Gelegenheit sich ein neues Glasauge anfertigen zu lassen, denn dann sind die Ocularisten sozusagen auf „Tour“. Auf dieser Tour besuchen sie diverse Kliniken in Norddeutschland, um Patienten mit neuen Augenprothesen auszustatten. Da diese in der Regel nur zwei Jahre tragbar sind, sollten sie regelmäßig erneuert werden. Immer auf Tour dabei sind diverse Rohlinge, im Fachjargon „Halbfertige“ genannt. Die Halbfertigen werden bei einem Schmelzpunkt von 600-1000 Grad geschmolzen. Dabei wird das Glas in die Länge gezogen, geformt und dem alten Glasauge angepasst. Individuelle Farbnuancen der Patientenaugen werden bis ins kleinste Detail berücksichtigt, was ebenfalls ein gutes Auge und viel Fingerspitzengefühl erfordert. Das Glas wird dann in die gewünschte Form und der Größe eines Auges geblasen. Nachdem Form und Größe stimmen, wird die Farbe der Iris erstellt. Einzelheiten, wie kleine Äderchen aus dünnen eingefärbten Glasfäden, werden aufgeschmolzen. Am Ende wird das Auge heruntergekühlt. Dies geschieht über einen erhitzten Metalltiegel, denn in Wasser würde das Glas zerspringen. Nun kann es eingesetzt werden. Nach 40 Minuten ist der Herstellungsprozess abgeschlossen und der Patient erhält sein neues Glasauge.
Die Ocularisten können zwar kein funktionstüchtiges Auge herstellen, wohl aber eines, das von dem gesunden Auge nur sehr schwer zu unterscheiden ist.

Die Kosten liegen pro Auge bei 450,- EUR, diese werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei Beschädigung wird oft aus Kulanz unentgeltlich nachgearbeitet.
Bundesweit tragen mehr als 160.000 Menschen eine Augenprothese. Oft wird deutlich, dass besonders Kinder sehr unbefangen mit der Behinderung umgehen, denn meist sind es die Eltern die Unsicherheiten mit dem Handling haben und so eventuelle Ängste manchmal auf die Kleinen übertragen. Doch die Ocularistenteams beraten geduldig und geben Hilfe beim Einsetzen. An so einem Tourtag werden bis zu zehn Kunden bedient. Der Ocularist Uwe Greiner meint: „Es bietet sich immer an, einen Termin an den ersten Besuchstagen zu vereinbaren, denn wenn es irgendwo drückt, kann dies dann noch einen Tag später vor Ort geändert werden.“ Aber natürlich gehen auch Glasaugen in der Herstellung mal kaputt, das ist zwar selten, aber es passiert. Meistens ist der Grund, wenn es zu Luftbläschen im Material gekommen ist. Uwe Greiner ist aber mit seinem Material sehr zufrieden. Er bezieht es seit Jahrzehnten aus einer Glashütte in Ostdeutschland nahe Sonnenberg. Aus diesem Ort stammen er und seine Familie, denn schon sein Großvater arbeitete dort als Glasbläser. Und was bringt das den Patienten? Ganz einfach, diese filigrane Arbeit hat in der Familie Greiner Tradition. So kommt es auch, dass Greiners Tochter nun als Auszubildende im Betrieb arbeitet, um dann demnächst mit auf Tour zu gehen und weitere Patienten mit neuen Glasaugen zu versorgen.

„Kinder besonders gefährdet“-Die Verantwortung kommt unter die Räder

Die neuesten Zahlen der Erfassung von Verkehrstoten unter 18 Jahren alarmieren. Kinder, als die schwächsten Verkehrsteilnehmer, sind gefährdeter denn je. Ursache ist, in den meisten Fälle, das fahrlässige Verhalten Erwachsener.
Erstmals wird wieder bei Kindern ein Anstieg der Todesopfer im Straßenverkehr verzeichnet. Im Schnitt wurde alle 18 Minuten ein Kind verletzt. In der Hälfte der Fälle nicht aktiv, sondern als Mitfahrer. Häufigster Grund: Raserei, gefolgt von falschem Abbiegen und fehlerhaften Wendemanövern oder Rückwärtsfahren.
Einerseits lässt dies Rückschlüsse auf verantwortungsloses Verhalten der Erwachsenen, geprägt durch Alltagsstress, Zeitdruck und sonstige Ablenkungen, zu. Auch das Alter der Autofahrer und dadurch bedingte rapide Abfall des Reaktionsvermögens, spielt dabei eine Rolle. Andererseits werden Kinder in der heutigen Zeit übertrieben häufig von den Eltern von A nach B chauffiert, so dass sie selbst kaum die Möglichkeit haben, den sicheren Umgang im Straßenverkehr zu erlernen. So lernen die Kleinsten, wenn überhaupt, durch Nachahmung.
Apropos Vorbildfunktion: Wann sind Sie eigentlich das letzte Mal vermeidlich unbeobachtet über eine rote Ampel gelaufen, weil sie es eilig hatten? Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für Schwächere zu übernehmen, fängt häufig schon an der nächsten Kreuzung an.

Gegen die Natur – von Langschläfern und Spätaufsteher

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Aus dem Munde von Vereinsvorsitzenden Rüdiger Bartsch würde diese Redensart wohl eher so klingen: „Der frühe Vogel kann mich mal.“
Seit der Gründung des Langschläfervereins „Delta t“ (*Delta t ist ein physikalischer Ausdruck für eine Zeitdifferenz), gibt es dort regen Zulauf. An einem Sonntag im Dezember, bei einem späten Frühstück, gründeten elf von Rüdiger Bartsch eingeladenen Langschläfer den ersten deutschen Spätaufsteherverein. Vereinsziel laut Satzung ist es „zeitversetzt und langschlafenden Menschen zu Anerkennung, Toleranz und vor allem zu einem ihrer Natur entsprechendem Leben zu verhelfen.“ Doch lässt sich dieses redliche Vorhaben in den Alltag übertragen?
Gut, die vorteilhaften Ladenöffnungszeiten sorgen schon mal dafür, dass Langschläfer keine leeren Kühlschränke haben müssen, aber im beruflichen Leben gibt es dann wohl einige Hürden zu nehmen. Schließlich kann nicht Jeder in der Gastronomie arbeiten.
Für ein Leben im Einklang mit der eigenen Natur spricht auch Dr. Harald Bense der Uni Regensburg. Der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums meint: „Es gibt einen genetischen vorgegeben Schlafrhythmus. Das haben Tierversuche erwiesen. Die Literatur unterscheidet zwischen „Lerchen“ und „Eulen“. Bei den „Eulen“ läuft die innere Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus bestimmt, nicht im üblichen 24h Takt, sondern in einem Rhythmus von 25 Stunden. Das heißt aber nicht, dass wir dem wehrlos ausgeliefert sind. Wann und wie lange jemand schläft, hängt auch von den äußerlichen Einflüssen ab. Den meisten Spätaufstehern kann mit einer einfachen Maßnahme geholfen werden. Stellen Sie an Wochenenden den Wecker auch auf 8 Uhr!“
Doch wer tut das schon. Langschläfer sind gesellschaftlich wenig anerkannt. So reichen die Vorurteile weit von „alles Künstler“, über „Faulpelze“, bis zu „Tagediebe“. Dennoch gibt es einige berühmte Spätaufsteher: Gottfried Wilhelm Leipniz und Willam Shakespeare arbeiteten auch vorzugsweise nachts.
Rüdiger Bartsch meint gegen den Widerstand: „Wir leben im normalen 16 Stunden Wach-Schlaf-Rhythmus wie andere Menschen auch. Da der aber später einsetzt als beim Durchschnitt, bezeichnen wir uns als zweitnormal. Viele Langschäfer müssen gegen ihre Natur anleben, um nicht ohne Job dazustehen. Aber ist das gesund? Schauen Sie sich einen Sachbearbeiter beim Finanzamt mal an. Der bekommt morgens kaum die Augen auf und gegen 21 Uhr könnte er Bäume ausreißen.“
Bleibt die Frage, ob es in unserer heutigen schnelllebigen Gesellschaft nicht gut ist einfach mal mehr auf die innere Stimme und die innere Uhr zu achten. Denn auch die Produktivität hängt davon ab, ob jemand ausgeschlafen ist oder nicht. Achtsamkeit steht hoch im Kurs, gleitende Arbeitszeiten, für den der es sich leisten kann, könnten da ein gutes Signal sein. Sind sie eine „Eule“ oder eine „Lerche“? Arbeiten Sie schon oder schlafen Sie noch?

Turbostaat rocken die Alte Meierei in Kiel

„Definitiv einer besten Livebands des Nordens“- voll des Lobes waren die Besucher am letzten Freitag in der Alten Meierei in Kiel.
Turbostaat besuchten wieder einmal die Landeshauptstadt und die Fans folgten Ihnen aufs Wort. Beim Betreten des Geländes der Alten Meierei erblickten wir als erstes eine schier endlose Schlange von erwartungsvollen Fans. Dies war dem Umstand geschuldet, dass es zuvor nicht möglich war an Karten zu kommen. In der Alten Meierei war nur eine Abendkasse möglich. Schlau, sich rechtzeitig in die Schlange zu begeben sofern man nicht auf der Gästeliste stand. Der Eintrittspreis lag zwischen 7,- und 9,- Euro, wobei die Besucher selbst bestimmen konnten wieviel sie zahlen möchten.
Turbostaat; das sind Jan (Gesang), Roland (Gitarre), Marten (Gitarre), Tobert (Bass) und Peter (Schlagzeug). Die 5 spielen nun bereits seit 1999 zusammen. Sie gründeten sich damals in Flensburg und probten im dortigen Volksbad. Mittlerweile wohnen sie aber nicht mehr in der Stadt. Die Musikrichtung kann gern im Bereich Punkrock – Deutschpunk mit Popelementen angesiedelt werden.
Die sympathische Band spielte eine bunte Mischung aus allen hervorgebrachten Alben u.a. die Song : Captain Käse, Pennen bei Glufke, Eisenmann, Insel und Vieles mehr. Immer begleitet durch die stimmungsgewaltigen und textsicheren Fans. So konnte Sänger Jan Windmeier auch zwischendurch mal das Mikrofon an die erste Reihe abgeben.

Nach fast 2 Stunden verabschiedete sich die Band unter starkem Beifall.  Was blieb war die Begeisterung denn eigentlich wollte sie niemand gehen lassen. Die nächsten Tourdaten sind:http://turbostaat.de/konzerte
Weitere Infos zur Band finden Sie unter: http://turbostaat.de/
 

Puigdemont – Große Politik in Neumünster? / ein Kommentar von Nadine Anh

Was passieren kann, wenn man sein Exil verlässt, um an einer Diskussionsveranstaltung in Dänemark teilzunehmen, sehen wir derzeit in unserer schönen Heimatstadt. Seit dem letzten Wochenende haben wir hier einen international umstrittenden Gast. Weltpolitik in Neumünster. Die Rede ist von Carles Puigdemont.

Carles Puigdemont, der Chef der katalanischen Separatisten, verließ zum ersten Mal sein Exil in Belgien. Dort hielt er sich seit dem letzten Oktober auf, da die spanischen Behörden einen Haftbefehl gegen ihn erlassen haben. Nun reiste er nach Kopenhagen, um an einer Veranstaltung teilzunehmen. Während seines Aufenthaltes im Nachbarland wurde dann der internationale Haftbefehl erlassen.
Die dänische Diskussionsveranstaltung thematisierte die politische Situation in Katalonien und die Herausforderungen, die Katalonien im europäischen Zusammenhang bevorsteht. Nur die Herausforderung Puigdemont im eigenen Land festzunehmen, war dann wohl doch etwas zu gewagt für unsere dänischen Nachbarn. So kam es laut Medienberichten zu gezielten Hinweisen betreffend der Grenzüberquerung nach Deutschland. Carles Piugdemont wurde am Sonntag beim Übertritt der Grenz von deutschen Bundesbeamten verhaftet.
Nun sitzt der Katalane in der Untersuchungshaft und wartet auf das Ergebnis des Antrages auf die Auslieferungshaft. Innerhalb von maximal 60 Tagen ist eine Entscheidung über die Auslieferung herbeizuführen. Doch die deutsche Justiz hat gute Gründe, ihn nicht an Spanien auszuliefern. Im Fall Puigdemont handelt es sich nicht um gewöhnliche Kriminalität. Wenn keiner der im europäischen Haftbefehl benannten Deliktsbereiche betroffen ist, gelten die allgemeinen Auslieferungsregeln. Dann gilt das Prinzip der beiderseitigen Strafbarkeit. Das heißt, wenn Deutschland die Taten Puigdemonts selbst für strafbar hielte, dürfte er ausgeliefert werden. Die Gründe für seine Verhaftung: Rebellion, Aufwiegelung und Veruntreuung öffentlicher Mitte  sind nur bedient strafbar in unserem Land. Den Tatbestand der Rebellion gibt es im deutschen StGB nicht.
Hochverrat (§ 81 StGB) gibt es allerdings schon, aber hier wäre noch ein weiterer Aspekt zu beachten: Keine Auslieferung bei politischen Straftaten (§ 6 Abs. 1 IRG). Die Staaten sollen nicht in den politischen Auseinandersetzungen innerhalb eines anderen Staates mit den Mitteln des Strafrechts Partei ergreifen. Daher beginnt hier der Anwendungsbereich des Grundrechts auf politisches Asyl (Art. 16 a GG).
 
Wie es mit Puigdemont in Neumünster weitergeht und das erwartete Ergebnis ausfällt, darauf wird sich die politische Welt nun noch bis nach Ostern gedulden müssen.
 
Nachtrag: 09.04.18
Nach Puigdemont-Freilassung
Berlin statt Neumünster
Zumindest teilweise hat Puigdemont erreicht, was er wollte. Der katalanische Separatistenführer kann bis zum Ende des juristischen Verfahrens in Berlin bleiben. Der katalanische Separatistenführer Carles Puigdemont hat erreicht, dass die Auflagen für seine Haftverschonung in seinem Sinn geändert werden. Sein Antrag, sich statt bei der Polizei in Neumünster jetzt ein Mal wöchentlich in Berlin melden zu dürfen, wurde vom Oberlandesgericht Schleswig-Holstein genehmigt, wie eine Gerichtssprecherin in Schleswig der Nachrichtenagentur dpa sagte.
Puigdemont hatte am Samstag angekündigt, bis zum Ende des juristischen Verfahrens in Berlin wohnen zu wollen.

Kultur macht Schule – Schule macht Kultur

Aufgeregt reden sie durcheinander, lachen und und freuen sich auf die Stunde mit Olaf Plotz. Der 63jährige, mit aufgeweckt freundlichem Blick – macht seit den 70ern Musik und ist nun seit 2013 Dozent im KulturTeil Programm. Hier im gemütlichen Musikraum sitzen nun 20 Kinder erwartungsvoll in einem Stuhlkreis zusammen. Es ist die zweite Schulstunde. Die Kinder kommen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, aber Eines haben sie gerade gemeinsam: Die Vorfreude auf die Percussionstunde.
“Wenn es egal ist, wie du aussiehst, woher du kommst, ob du die Sprache sprichst und nur die Musik verbindet, dann ist es KulturTeil-Zeit an der Vicelinschule in Neumünster,“ so Plotz, dabei schnappt er sich eine Trommel und geht im Wiegeschritt durch die Reihen der Grundschüler.
Die wöchentliche Percussionstunde schafft für die Kinder, Integration durch Sprachförderung. Olaf Plotz führt die sie an Trommelübungen heran, dabei spricht er rhytmisch die Texte vor und lässt diese dann von den Schülern wiederholen und erzählt, wie das hilft: “Ich hole alle Kinder da ab, wo sie sprachlich gerade stehen. Mal ist es etwas schwergängiger, mal sind es aber auch Klassen, wo es ganz schnell läuft. Und das verbessert neben der sprachlichen Entwicklung auch die Konzentration”.
Sina, ein kleines, schlankes Mädchen mit schwarzen Haaren und dunklen Augen, betritt noch etwas zaghaft die Bühne des Musikraumes. Sie flüchtete vor knapp 2 Jahren mit ihrer Familie aus Syrien und hat noch Probleme mit der deutschen Sprache. Nun darf sie sich ein Percussioninstrument aussuchen und wählt die Mbira, ein afrikanisches Daumenklavier mit unverwechselbarem Klang.
Mit unsicherem Griff bedient sie mit ihren kleinen Fingern das exotische Instrument. Sina stellt sich ganz vorne an den Bühnenrand und gibt mit dem Instrument einen Rhythmus vor. Die Klassenkameraden folgen ihr. Es passiert ganz ohne Worte. Dennoch verstehen sie alle und genau das ist es, was dieses Projekt ausmacht. Durch den spielerischen Umgang schaffen es die Kinder, sich schnell auf die deutsche Sprache einzulassen. Sie verbinden dann die Freude und die Erfolgserlebnisse mit dem Spracherwerb.
KulturTeil wird vom Kulturbüro Neumünster initiiert und Agnes Trenka ist dafür zuständig: „Wir bekommen viele Rückmeldungen. Vor allem aber von den Lehrern oder den Erziehern, weil die natürlich direkt dabei sind, wenn die Angebote stattfinden. Man kann also sagen, dass die Rückmeldungen durchweg sehr positiv sind. Das Programm wird gut angenommen. Unsere Buchungszahlen sind hoch. Wir organisieren rund 100 Projekte pro Schuljahr und erreichen damit rund 3700 Kinder und Jugendliche in Neumünster.“
Ganz besonders werden sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche mit diesem Programm gefördert. Daher war es sinnvoll, die Angebote an Kitas und Schulen zu installieren, die von Schülern aus sozial und finanzschwachen Familien besucht werden. Denn diese Familien schaffen es oft aus unterschiedlichen Gründen nicht, den Kindern kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.
Interessiert sich eine Schule oder KiTa für das Prgramm, so gibt es eine Datenbank aus der Lehrer und Erzieher sich dann kulturpädagogische Angebote heraussuchen können. Die Vielfalt dieser Angebote reicht über Projekte wie Kreatives Gestalten, Leseförderung, Museumspädagogik, Musik, Theater, Tanz und Zirkus. Dazu werden dann Musiker, Künstler und Theaterpädagogen, die einen Kurs oder ein Workshop leiten, engagiert. Es ist möglich, einfach nur pädagogische Übungen und Rollenspiele zu machen, aber auch z.B. ein ganzes Theaterstück einzustudieren. So wird die Sprachkompetenz ganzheitlich gefördert. Die Kinder trauen sich in einem entspannten Rahmen auf der Bühne zu stehen, zu musizieren oder gemeinsam ihren Text zu sprechen. Daraus schöpfen sie Mut und eignen sich so letztendlich das Selbstbewusstsein an, welches sie im Schulalltag benötigen, denn sie werden gehört und gesehen.
Der Pausengong beendet die Percussionstunde. Selbst als es klingelt sind die Kinder der zweiten Klasse an der Vicelinschule in Neumünster immernoch ganz in ihrem Element und können sich nur schwer von den Instrumenten trennen. Brav bringen sie diese dann doch in den Nebenraum; einige Schüler bedanken sich sehr herzlich bei Olaf Plotz. Die Freude auf ihren Gesichtern spricht Bände.
Das Programm KulturTeil ist erstmal für 5 Jahre finanziell bewilligt. Also bis zum Sommer 2019. Ab dann braucht das Programm in Neumünster Unterstützer, um weiter existieren zu können. Doch noch fehlt die Finanzierung.
In der kommenden Legislaturperiode gilt für das Bundesland Schleswig-Holstein: Mehr Geld für Kitas, Wissenschaft und Schule. Ziel der Landesregierung ist es, bis zum Ende der Legislaturperiode Eltern und Kommunen im Kita-Bereich zu entlasten sowie die Qualität in den Kitas zu steigern. Allerdings umfasst das Investitionspaket eher Bereiche wie den Schulbau, Sportstätten und die sonstige Infrastruktur. Für das Programm „KulturTeil“ bedeutet dies, nur die Hoffnung darauf, dass sich die Stadt wohlwollend zeigt oder sich Sponsoren finden lassen.
Mittlerweile ist die Pause vorbei, es klingelt zur nächsten Schulstunde und die Kinder, die eben noch im Musikraum Percussionunterricht hatten, stürmen heiter in den Klassenraum. Deutsch steht auf dem Stundenplan. Die Lehrkraft erwartet nun eine ausgeglichene Klasse, die sich die nächsten 45 Minuten gut konzentrieren kann. Nur ein Effekt des KulturTeil Programmes an der Vicelinschule in Neumünster an diesem Tag.
http://kulturteil-nms.de/cms/

Behindert genug für das neue BTHG?

Die Sonne scheint schon und wirft die ersten Strahlen in ihr Schlafzimmerfenster, als sie die Augen öffnet. Was Nicole Bernd sieht, ist nicht viel – sie sagt es wäre so, als versuche man durch einen Wasserfall zu sehen. Es ist halb 8 Uhr morgens und erst der routinierte Griff zur Brille verhilft ihr zu etwas mehr Sicht, denn sie hat nur ein Auge und das hat gerade noch eine Sehfähigkeit von ca. 25 %. Sie ist seit ihrer Geburt stark sehbehindert. Hat als Frühchen zu viel Sauerstoff im Brutkasten bekommen. Der Augendruck erhöhte sich so immens, dass ein Auge entfernt werden musste und das andere irreparabel geschädigt wurde. Heute arbeitet die 39 Jährige, zierliche Frau, in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Doch sie startet optimistisch in den Tag.
Was wäre sie gerne geworden, sofern es die Behinderung nicht gäbe? „Polizistin, damit die anderen Menschen vor mir Respekt haben, damit ich geachtet werde. Aber dazu braucht man die Freiheit Hindernisse überwinden zu können, Grenzen zu überschreiten. Doch die Grenzen in meinem Leben sind ziemlich fest gesteckt.“ Sie sieht nachdenklich zu Boden. Sie meint, zurück wirft sie eher immer das, was sie nie erreichen wird, wie sich in einer fremden Stadt zu bewegen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, Fahrradfahren, Sport oder den Führerschein zu machen. Aktivitäten des alltäglichen Lebens sind unerreichbar für Nicole Bernd. Wie gerne würde sie mal mit Inlinern zur Arbeit fahren, aber das hat ihr der Anleiter dort untersagt. Denn die Rechtslage der Straßenverkehrsordnung ist da sehr eindeutig. Laut Artikel 2.2 § 12 „Sehvermögen“ gehört sie zu den Personen, die durch die Teilnahme am Straßenverkehr nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer gefährden würde. Dies schränkt die Teilhabe am herkömmlichen Leben und massiv ein. So fährt sie unter Aufsicht ihres Freundes, hin und wieder, mit ihren Inlinern auf abgelegenen Parkplätzen.
Nun gibt es das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG). Das BTHG ist der Versuch, die Anforderungen aus der UN-Behindertenrechts-Konvention, der sich Deutschland per Unterschrift verpflichtet hat, auch gesetzlich zu verankern. Aktuell schwer einzuschätzen, ob das BTHG als Grundlage zur Entwicklung von Inklusion beitragen wird.
Ich begleite Nicole zu ihrem Arbeitsplatz, um zu sehen, wie die bisherige Inklusion funktioniert. In der Näherei und Werkstatt der Brücke Neumünster hört man in jeder Ecke das Rattern der Maschinen. Ihr Arbeitsplatz ist mit einer speziellen Lampe und einer Lupe ausgestattet. Es ist etwas dunkel. Doch mit der Lampe geht es gerade so. Zumindest dort hat sie ihren Platz gefunden. Sie lächelt zufrieden und zieht dabei einen Reißverschluss sehr behutsam aber präzise unter die Einspannung der Maschine.
Was kann das neue BTHG nun für Menschen wie Nicole Bernd tun? Mit dem Bundesteilhabegesetz ist eine radikale Systemumstellung verbunden. Das gilt auch im Arbeitsbereich. Derzeit ist die WfbM der zentrale Ort für die Teilhabe am Arbeitsleben. Mit dem BTHG werden nun bundesweit Alternativen zur WfbM eingeführt. Neben der WfbM, stehen ab 2018 das Budget für Arbeit und andere Leistungsanbieter zur Verfügung.1 „Andere Leistungsanbieter“ heißt, dass dann -im Idealfall- soziale Träger künftig Arbeitsplätze für behinderte Menschen anbieten dürfen, um an diese öffentlichen Gelder zu gelangen. Es ist fraglich, ob durch die mangelnden Erfahrungswerte Menschen wie Nicole Bernd dort besser aufgehoben, bzw. ob es überhaupt dazu kommt, dass sie dann auch tatsächlich einen Außenarbeitsplatz bekommen.
Nicole sitzt mittags angespannt mit gefalteten Händen vor mir in der Kantine. Sie sieht diese Entwicklung auch kritisch, um nicht zu sagen – das neue BTHG macht ihr Angst. „Ich weiß nicht, ob das wirklich dazu beiträgt, um Menschen wie mich in die Gesellschaft zu integrieren. Ich denke, es wird eher schwieriger“. Um Hilfen zu erhalten, muss laut dem Entwurf in 5 von 9 Lebensbereichen eingeschränkt sein (§ 99 SGB IX). Wer z.B. wie Nicole Bernd aufgrund einer Sehbehinderung Hilfe zur Mobilität benötigt, ist nicht behindert genug, um Eingliederungshilfe beanspruchen zu können. Einziger Ausweg: Das Wohlwollen des Amtes. 2
Das heißt, dass insbesondere Sehbehinderte wie Nicole aus der Eingliederungshilfe herauszufallen drohen, wenn sie nur in einem Lebensbereich Unterstützung brauchen. Sie ist froh, dass sie auch unter Depressionen leidet. Eine weitere Neuerung stellt die Sparvermögenregelung dar. Um lebensnotwendige Hilfe zu erhalten, dürfen behinderte Menschen kaum Geld sparen. Hilfsmittel werden kaum noch unterstützt aber eine Lupe, wie Nicole sie hat, kostet dann um die 400,- EUR. Ein Betrag, den sie sich nicht mehr ansparen kann. Von was auch? Von ihrem Einkommen wird ihnen, neben den üblichen steuerlichen Abgaben, 24% des über dem Freibetrag liegenden Einkommens abgezogen. 3
Es ist gegen 17Uhr, als sie ihre Wohnung wieder erreicht. Ein langer und anstrengender Arbeitstag liegt hinter ihr. Die Wohnung ist dunkel, nur der Schein der Laterne erhellt das Wohnzimmer. Nicole nimmt ihre Brille ab, reibt sich die Augen und lässt sich auf die Couch fallen. „Es ist ein Teufelskreis: Ich bekomme Grundsicherung wegen meiner Behinderung, dies bleibt für immer. Daher werde ich auch immer Grundsicherung bekommen. Ich darf nie arbeiten und werde dadurch finanziell immer am Existenzminimum sein. So kann man kaum am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Da ziehe ich mich zurück und die Depression wird schlimmer.“
Quellen:
1) (§ 140 SGB XII, ab 2020: 111 SGB IX, jeweils i. V. m. den entsprechenden Regelungen im Teil 1 des SGB IX)
2) https://www.lebenshilfe.de/wData-bthg/docs/aktuelles/Welche-Veraenderungen-bringt-das-Bundesteilhabegesetz-Aktualisierung-12012017.pdf, (abgerufen am 05.02.2018)
3) http://abilitywatch.de/2016/05/10/die-10-groessten-maengel-des-entwurfs-zum-bundesteilhabegesetz/ (abgerufen am 05.02.2018)

20 Platten – die Sie in Ihrem Leben gehört haben sollten

Musik Streaming ist super, Downloads sind cool und CDs nett, aber für echte Musikliebhaber geht kein Weg an der echten Schallplatte vorbei. Das Ritual die Scheibe aus der Hülle zu nehmen, das Aufsetzen der Nadel und dann den unverfängliche Sound klingen zu lassen – macht doch erst das Musikerlebnis aus. In den letzten 5 Jahren hat sich der Absatz von Schallplatten vervierfacht. Ein guter Grund wieder den Plattenspieler aus dem Keller zu holen oder sich einen Neuen anzuschaffen. Auch der Verkauf stieg in den letzten Jahren um ca. 30 Prozent.
Fleckenkieker fragte unseren Leser Chris (DJ und ambitionierter Vinylfan) was er denn nun so besonders am Plattensound finden:
FK: Was hat die Platte was die CD nicht hat?
Chris: Nee Platte ist einfach Kult, alleine das Vinyl ist doch was ganz anderes als ne CD. Man kann das Hören richtig zelebrieren. Auspacken, anfassen, rauflegen, Nadel rauf – dieses Krr Krr am Anfang und dann geht’s los. Einfach klasse!
FK: Wie erklärst du dir den neuen Hype?
Chris: Weiß nicht. Ich glaube das ist so ne Retro-Bewegung,  die die HipsterSzene mitgebracht hat. Trends wiederholen sich doch ständig, war nur ne Frage der Zeit bis wieder alle einen Plattenspieler haben wollten.
FK: Die Platte kommt also immer wieder?
Chris: ja ich denke schon.
FK: Warum ist die Schallplatte so besonders?
Chris: Musik-Freaks greifen gerne zu Vinyl, gerne auch zu audiophilen. Schallplatten haben ein typisches Gewicht von 180 Gramm oder teilweise mehr. Eine konventionelle Schallplatte hat ein Gewicht von 80 bis 120 Gramm. Der Vorteil des audiophilen Vinyls liegt darin, dass die Rille tiefer und damit genauer geschnitten werden kann, somit ist die Dynamik, also der Lautstärkenumfang eines Songs, detaillierter ausgeprägt.
Außerdem gibt es noch haptische Gründe, die für die Platte sprechen: Neben dem Hörgenuss ist es außerdem auch sehr stilvoll, ein Originalalbum auf Platte zu besitzen. Das Cover und das Artwork allgemein sind eine Art von Kunst.
FK: Nenne mal besondere Platte für dich?
Chris: Ich denke zum Beispiel an das Rolling Stones Album „Sticky Fingers“, bei dem ein echter Reißverschluss auf dem Frontcover eingearbeitet ist. Diese Scheibe war damals limitiert und ist daher heute sehr viel wert, sehr geil!
FK: Die letzte Platte die du dir gekauft hast?
Chris: Tatsächlich, die neue von Tocotronic.
FK: Plattenhören ist für dich…
Chris: Unverzichtbar!
*(Fleckenkieker bedankt sich für das Interview)
Nun zu den Top 20, die Sie gehört haben müssen:

 
Viel Freude beim Hören 🙂 Anh
 
 
 

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